Interview mit Claudia Elizabeth Huber – Sex und Persönlichkeitsentwicklung: Warum beides untrennbar verwoben ist.

Interview mit Claudia Elisabeth Huber

In der Sexualität liegt die Kraft vollkommene Erfüllung zu erleben. Durch Sex haben wir die Chance tiefe Verbundenheit mit unserem Partner, aber auch mit uns selbst zu spüren. In der Sexualität liegt das Potential eine stärkere Verbindung zu uns selbst aufzubauen. Und schließlich hat Sex natürlich das Potential einfach unglaublich viel Spaß zu machen.

Leider jedoch bedeutet Sexualität für viele Männer und Frauen unserer Gesellschaft häufig erstmal Druck, Anspannung, Unsicherheit, Scham, manchmal sogar Angst oder das Gefühl, nicht genug zu sein.

Nicht wenige Menschen kämpfen mit sexuellen Problemen wie  Lustlosigkeit, vorzeitigem Samenerguss oder Erektionsproblemen.

Andere Menschen wiederum sehnen sich einfach nach mehr Erfüllung beim Sex. Nach dem Motto: „Das kann doch nicht schon alles gewesen sein?“. Und wieder andere Menschen wollen plump gesagt einfach „besser in der Kiste“ werden.

Unter dem Strich steht aber immer eines:

Das Bedürfnis nach sexueller Weiterentwicklung.

Doch wie gelingt sexuelle Weiterentwicklung?

Genau darüber habe ich mit Diplom-Psychologin und Sexcoach Claudia Elizabeth Huber gesprochen. Sie sagt: „Sexualität ist etwas, das aus einem selbst herauskommen muss. Mit ein paar Kunststücken im Bett ist es nicht getan. Das ist nur ein kleiner Teil der Sexualität.“

Als ich Claudia das erste Mal im SWR gesehen habe, habe ich stark mit dieser Sichtweise resoniert und sie deshalb für ein – wie ich im Nachhinein sagen kann – wirklich schönes und sehr informatives Skype-Interview gewonnen.

Über Claudia Elizabeth Huber:

Claudia Elizabeth HuberClaudia ist Diplom-Psychologin, Sexological Bodyworkerin und leidenschaftlicher Sexcoach. Mit ihrer Arbeit macht sie Menschen Mut, sich bewusst und offen mit ihrer eigenen Sexualität zu beschäftigen und eine selbstbestimmte und lustvolle Sexualität zu leben. Außerdem trägt sie mit ihrer Arbeit dazu bei, die in unserer Gesellschaft häufig missverstandene menschliche Sexualität in ein vorurteilsfreies, enttabuisiertes und entspanntes Licht zu rücken. Über Coachings, Workshops, Vorträge, Medienauftritte und ihre Webseite (https://www.claudia-elizabeth-huber.de/) vermittelt sie ihre Botschaft und hilft Menschen in einen gesunden Kontakt zu sich selbst und ihrer Sexualität zu kommen.

Interview mit Claudia Elizabeth Huber

Claudia – Du sagst: Sexualität und Persönlichkeitsentwicklung gehen Hand in Hand. Kannst du beschreiben, wie du das genau meinst?

Grundsätzlich ist es so: Um uns in unserer Sexualität weiterzuentwickeln, brauchen wir verschiedene Fähigkeiten. Hierzu zählen unter anderem Softskills wie zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und die Fähigkeit für diese Bedürfnisse auch einzustehen. Wenn es mir also zum Beispiel gelingt, herauszufinden was ich will, es dann auch schaffe mit meinem Partner auf eine gesunde Art und Weise darüber zu sprechen und für meine Bedürfnisse einzustehen, dann ist das eine Fähigkeit, die ich auch in anderen Lebensbereichen kultivieren kann.

Und meiner Erfahrung nach ist es so:

Wenn es mir in meiner Sexualität gelingt, herauszufinden was ich will, was ich brauche und da dann auch mehr für mich einzustehen, dann gelingt es mir in anderen Lebensbereichen mindestens ebenso gut. Denn gerade beim Sex braucht es nicht nur mehr Überwindung, sondern auch viel mehr Aufmerksamkeit, um mehr über mich selbst herauszufinden. Denn nach wie vor ist die Sexualität ein Lebensbereich, der in unserer Gesellschaft viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und darüber hinaus auch oftmals missverstanden ist.

Claudia Elizabeth HuberWenn ich also lerne, mich in sexueller Hinsicht mehr selbst zu finden und mehr für mich einzustehen, dann lerne ich diese Fähigkeiten für das ganze Leben. Wenn ich darüber hinaus lerne, über die intimsten Dinge – nämlich meine Sexualität – zu sprechen, dann wird es mir leichter fallen auch in anderen Lebensbereichen Dinge anzusprechen, die mir am Herzen liegen. Und andersrum gilt genauso: Wenn es mir gelingt im Leben stark für mich einzustehen und gut zu kommunizieren, dann wird es mir vermutlich ebenso gut in meiner Sexualität gelingen.

Anhand der eigenen Sexualität lässt sich auch gut erkennen, wie gut man sich selbst kennt. Häufig ist es nicht so einfach herauszufinden was man eigentlich braucht und was man will. Häufig machen sich sexuelle Bedürfnisse über eine innere Stimme, ein Bauchgefühl oder körperliche Gefühle bemerkbar. Wenn es uns in unserer Sexualität gelingt diese innere Stimme besser wahrzunehmen, dann ist das ebenfalls etwas, wovon wir für unser gesamtes Leben sehr profitieren können.

Sagt uns denn die Art und Weise wie wir Sex haben, was wir mögen, was unsere speziellen Vorlieben sind und welche sexuellen Fantasien wir haben, etwas über unsere Persönlichkeit aus?

Ja, sehr viel sogar. Allerdings ist das etwas „kodiert“, das heißt es lassen sich jetzt nicht so ohne weiteres offensichtliche Rückschlüsse ziehen.

Erstmal sind viele unserer Vorlieben einfach antrainiert. Das heißt wir haben Dinge über die Zeit einfach immer wieder getan, gemerkt, dass gewisse Dinge gut funktionieren und diese dann einfach beibehalten.

Sexualität als Spiegel der PersönlichkeitDann gibt es aber auch erotische Vorlieben und Fantasien, die ein kodierter Spiegel unserer Bedürfnisse sind. Muster, die in unserer Sexualität immer wieder aufkommen zeigen uns Konflikte oder tiefe Verletzungen, die wir oftmals schon in unserer Kindheit oder Jugend erlebt haben und die wir in irgendeiner Form erotisch verarbeitet haben. Wir versuchen dann unterbewusst diese Dinge in unserer Sexualität zu verarbeiten. Wenn uns das gelingt, dann führt das dazu, dass wir diese erotischen Fantasien nicht mehr haben. Normalerweise gelingt uns diese Verarbeitung aber nicht.

Was wir aber machen können, ist, zu versuchen, diese sexuellen Fantasien zu entschlüsseln und ihren Ursprungskonflikt zu finden. Wenn das gelingt, können wir dann genau daran arbeiten und diesen Konflikt lösen. Heißt umgekehrt wieder: Wenn wir an unseren Kernkonflikten arbeiten, arbeiten wir häufig auch automatisch an der Sexualität, beziehungsweise verändern sie.

Sexualität erfüllt viele Funktionen in einem Menschen. Einige davon bekommen wir bewusst mit, zum Beispiel die Befriedigung des Sexualtriebs, die Befriedigung des Bedürfnisses nach Nähe zum Partner, oder eine gewisse Selbstbestätigung. Meine Frage: Welche Funktionen der Sexualität gibt es, die wir auf einer bewussten Ebene nicht mitbekommen?

Einerseits gibt es da einige körperliche Funktionen wie Stressabbau und Entspannung. Sex kann aber zum Beispiel auch einen bewusstseinserweiternden Effekt haben. Dieser kann sich dann einstellen, wenn wir beim Sex in eine starke Präsenz kommen, tief atmen, die Zielfokussierung aufgeben und uns generell sehr gut auf unseren Partner, aber auch auf uns selbst einlassen können.

Eine wichtige Funktion übernimmt Sexualität aber natürlich auch in unseren Beziehungen. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Der Beziehung zum Partner aber auch in der Beziehung zu uns selbst. Sprechen wir zuerst über die Beziehung zu uns selbst:

Über Sexualität haben wir die Chance, spüren zu lernen, was wir uns wünschen. Und wir haben die Chance unsere eigenen Wünsche auch ernst zu nehmen. So entsteht eine bessere Verbindung zu uns selbst und wir lernen unsere Bedürfnisse auch außerhalb der Sexualität besser wahrzunehmen. Wir entwickeln also gewissermaßen einen Kompass, der uns hilft, herauszufinden was wir uns im Leben wünschen.

Sex übernimmt aber auch in der Verbindung zu anderen Menschen eine wichtige Funktion: Über Sex finden wir heraus, ob wir eine Beziehung zu jemandem wünschen und intensivieren wollen, oder eben nicht. Sex übernimmt auch gleichzeitig die Funktion, eine Beziehung zu einer anderen Person zu stabilisieren.

Sex mit fremden Personen hingegen bezieht sich dann häufig auf die eigene Psyche und geht weniger um die andere Person. Hier spielen Selbstbestätigung und Selbstvalidierung eine große Rolle.

Im Bezug auf diese beiden Punkte der Selbstvalidierung und Selbstbestätigung: Ist das besonders bei Menschen zu beobachten, die unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden, oder handelt es sich dabei um eine Funktion, die vollkommen natürlich ist und von allen Menschen ausgelebt wird?

Es wird natürlich schon besonders von Menschen genutzt, die Bestätigung von außen suchen und Anerkennung nicht auf andere Weise annehmen können. Deshalb hat das natürlich schon viel mit dem Thema Selbstwertgefühl zu tun. Es gibt aber auch einfach Menschen, denen es gut gefällt “beweihräuchert” zu werden.

Lass uns abschließend noch über das Thema Libido sprechen: Viele Männer beklagen eine höhere Libido als ihre Partnerin zu haben, was häufig zu Konflikten innerhalb der Beziehung führt. Was sagt das aus, beziehungsweise was kann das aussagen?

Einerseits kann der Ursprung der höheren Libido im Pornokonsum liegen. Hierbei geraten Männer in eine Art „Kater“, der entsteht, wenn die 

Glückshormone im Körper verschwinden, die durch den Pornokonsum hervorgerufen wurden. So entsteht eine Art Teufelskreis, in denen sie immer wieder nach, ich nenne es mal dem „Kick“ suchen.

Hohe Libido beim Mann

Was allerdings auch oftmals zugrunde liegt, ist das männerseitige zwischenmenschliche Bedürfnis nach Nähe zur Partnerin. Beim Sex ist es nämlich nicht selten so, dass Männer wenig berührt werden, es häufig zu schnell zum eigentlichen Geschlechtsverkehr kommt, bevor sich die Partner einmal ausführlich und in Ruhe miteinander beschäftigt haben und sich gegenseitig berührt und gespürt haben. Dadurch fehlt es dem Mann dann häufig an echter Nähe zur Partnerin. Diesen Nähe-Mangel versucht er dann unbewusst durch viel Sex zu kompensieren.

Will heißen: Wenn sich Paare in ihrer Sexualität mehr Zeit für Berührung und Nähe lassen, würde die Libido des Mannes auf natürliche Weise etwas herunter gehen und sich so womöglich an die Libido der Partnerin anpassen?

Das kann so sein, muss aber nicht so sein. Denn natürlich gibt es auch zahlreiche andere Gründe, die zu einer sehr hohen Libido führen können. So kann auch ein Mangel an Anerkennung zugrunde liegen, ein verzerrtes Männerbild, oder ein Mangel an Selbstwertgefühl.

Ich danke dir Claudia für diesen tollen Einblick in deine Arbeit, dein Wissen und deine Erkenntnisse! 

Wenn du mehr über Claudia und ihre Arbeit erfahren willst, besuche ihre Webseite https://www.claudia-elizabeth-huber.de/.

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